Story written by Miki

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*winke*
Danke für die Reviews!
Zum Inhalt dieses Kapitels…
Ich bin gerade nicht zurechnungsfähig.
Sitze im IC.
Und der fährt sich Verspätung um Verspätung ein. (zweimal Brückenschaden, einmal Baustelle)
Mir ist langweilig…
Dann kommt  so was raus.

 

 

************************************************************************

 

Müde rührte ich in meinem Cafe Latte herum und musterte über den Rand meiner Tasse hinweg diese beiden…

Diese beiden…

Mir fehlte einfach die passende Bezeichnung dafür, was die eigentlich waren.

Normale Menschen auf alle Fälle nicht.

Diese beiden….

Hm…

Also…

Irgendwie gab es dafür doch nur ein mögliches Wort…

Norweger…

Okay, das war zufriedenstellend und traf den berühmt berüchtigten Nagel auf den Kopf. Die hatten definitiv nicht alle Latten am Zaun. Und was noch lustiger war, kein Mensch schien die hier wirklich zu erkennen. Ich hatte erwartet, dass eine Traube von Mädchen sich um unseren Tisch scharen würde, kaum das wir den Starbucks betreten hatten, aber nichts dergleichen. Eher hielt man sie für zwei leicht verpeilte Touristen.

Auf alle Fälle war noch kein gellendes „Bjørn Einar“ erklungen. Okay, die zwei Grazien da vorne machten Kuhaugen, aber weniger aufgrund eines kognitiven Erkenntnisprozesses, sondern mehr wegen Bjørn Einars und meinetwegen auch Sigurds hübscher Fassade.

Die beiden Herren lümmelten nämlich lasziv in ihren Sesseln und so wie Bjørn Einar an seinem Löffel lutschte, erforderte das schon fast FSK 18 und war definitiv ein sinnliches Erlebnis.

Schien so, als wollte er die beiden Damen auch beeindrucken.

Hmpf.

„Also Dana“, Sigurd biss genüsslich in seinen Muffin, „erzähl mal, was du gestern Abend noch so gemacht hast.“

Ich, unschuldiges Etwas, das ich bin, hatte gerade einen Schluck von meinem Kaffee genommen und verschluckte mich natürlich fürchterlich. Hilfsbereit klopfte mir Bjørn Einar auf den Rücken.

„Wir haben uns einfach gewundert, dass Magnus Stian auf einmal verschwunden war und auch erst heute Morgen wieder auftauchte.“ Ein definitiv sadistisches Funkeln war in Sigurds großen, blauen Augen auszumachen.

Ehrlich, der war aus den tiefsten Gründen der Hölle auferstanden, um als Geisel die Menschheit im Allgemeinen und mich im Speziellen heimzusuchen.

Ich erstickte nämlich gerade vor lauter Husten fast auf meinem Stuhl.

 

Zwei Minuten später.
Vor dem Klo…

 

In das ich nicht hineinkam.

Warum zum Geier hatten die hier ihr Klo mit einem Zahlencode verriegelt?

Waren wir hier bei Mission Impossible?

Und warum war nur das Frauenklo verschlossen?

Das Gürkchen war nämlich gerade pfeifend auf dem Männerklo verschwunden.

Es ist nicht leicht, Dana Kleinschmitt zu sein…

 

 

Ein wenig später.
Unsere Helden haben sich auf das Ausführlichste mit aromatischem und exquisitem Kaffee sowie köstlichem Süßspeisen gestärkt, um sich in die nächste Runde des Gefechts zu stürzen.

 

Ehrlich.

Ich war schon ein paar Mal mit denen einkaufen gewesen (ein Umstand, den ich mir vor allzu langer Zeit ja noch richtig erträumt hatte).

Aber irgendwie wurde es jedes Mal noch schlimmer als das Mal zuvor.

Warum?

Ihr denkt, wie hätten das Peinlichste schon hinter uns gebracht?

 

Irrtum!

 

Ganz gigantisch großer Irrtum!

 

Ich wollte nie von diesen…diesen… Individuen aus dem hohen Norden in einen solchen Laden geschleppt werden.

In einen…

einen…

Sexshop. *flüster*

„Dana, jetzt stell’ dich doch nicht so an! Das ist das natürlichste auf der Welt. Alle machen das und wer es nicht macht, der jammert danach.“ Zur Bestätigung seiner Worte wedelte Bjørn Einar mit einem Päckchen essbarer Unterwäsche vor meiner Nase herum. „Man soll doch Spaß im Leben haben.“

Das Päckchen im Zusammenhang mit seinen Worten ließ mich leuchtend rot anlaufen.

Mein Blutdruck war gerade schon zur Tür raus, um an der Formel Eins  teilzunehmen und danach mit Dragster weiterzumachen.

„Ich…ich…“ Noch nicht mal sprechen konnte ich vor lauter Scham.

Und was hatte das hier denn mit… also…

Ich meine….

Irgendwie hatte sich gerade meine Zunge verknotet.

War wohl über sich selbst gestolpert, als sie meinem Blutdruck hinterher jagen wollte.

Angestrengt sah ich überall hin, nur nicht zu Bjørn Einar und seiner nach Erdbeeren schmeckenden Unterwäsche.

Unwillkürlich wanderte mein Blick nun also zum anderen Folterknecht, der eifrig in den Regalen wühlte.

Mein Gott…

Was war das?

Am besten ich hielt mir einfach die Augen zu.

Unwissenheit kann schließlich auch ein Segen sein.

Besonders, weil Sigurd sich mir gerade näherte und was er da genau in den Händen hielt, also das wollte ich wirklich nicht wissen.

Satans Schwippschwager konnte nur etwas Abartiges, Widerliches und Grauenhaftes mitbringen.

Dem war natürlich auch so.

„Nein! Ich brauche kein Massageöl mit Gummibärchengeschmack! Und nein! Ich finde ‚Wollüstige Sporttrainer – Unzensierte Länge!’ nicht ansprechend. Und ich brauche auch keinen rosa… rosa….“ Nein, ich sprach das nicht aus und deutete einfach auf den Gegenstand, den er sich kurzerhand in Ermanglung einer dritten Hand unter den Arm geklemmt hatte.

„Aber Dana!“ Ehrlich, irgendwann, in definitiv nicht allzu ferner Zukunft würde ich ihm dieses Gesichtsausdruck, der die Inkarnation von Süffisanz und Gehässigkeit war, aus dem Gesicht schlagen und am besten krallte ich mir dazu diesen rosa Gegenstand unter seinem Arm. Damit schaffte er es bestimmt auch auf die Titelseite der VG

Okay, aber ich wollt mein Gesicht nicht da sehen, also ballte ich einfach nur meine Fäuste, rauschte Richtung Ausgang, stolperte in dem Prozess über die Füße einen Verkäufers, ja so was gab es hier, flog nach vorne und knallte gegen einen Ständer mit Kondomen.

Ehrlich, ich biete mein Leben zum Tausch an.

Wer auf dauerhafte Erniedrigung steht, bitte melden.

 

 

Freiburg. Fußgängerzone.

 

Den Kopf in den Händen vergraben, die wiederum auf den Knien geparkt waren, hockte ich auf einer Bank und beobachtete missmutig das Treiben in der Fußgängerzone. Mein Leben war ein einziger schwarzer Abgrund.

Obwohl, was heißt hier schwarz.

Eigentlich war der mehr rot, weiß und blau.

„Danaleinchen“, eine Hand wurde auf meine Schulter gelegt, „der Onkel Bjørnnis und der Onkel Sigurd, die haben es nicht böse gemeint.“

„Frieden?“ Ein großes Eis wurde mir unter die Nase gehalten. Ich sah hoch, Bjørn Einar lächelte mich breit an, Sigurd hatte sich inzwischen neben mich gesetzt. „Wir geben zu, dass wir vorhin nicht ganz lieb waren. Aber wir haben ein Geschenk für dich.“

„Hm?“ Ich genoss inzwischen schon mein Eis.

Ja, okay, nicht gerade standhafte Prinzipien, ich weiß.

Aber menno…

Die hatten Schokoladeneis mitgebracht, das fast wie Nugatti schmeckte.

Nur bei dem zweiten Geschenk war ich misstrauisch und mein Misstrauen war berechtigt, wie sich herausstellte, als ich es aus seiner mehr oder weniger geschmacklosen rosa Verpackung befreit hatte. Ich hielt nämlich ein Stiptease-Mensch-Ärger-dich-nicht in den Händen.

„Funktioniert fast wie Strip-Poker“, erklärte mir Sigurd freudestrahlend.

 

Zwei Sekunden später.

 

„Dana… Du…. Ich… MEIN T-SHIRT!“

Ein schimpfender Sigurd war auch mal was Lustiges.

Und Memo an mich selbst: Schokoladeneis taugt als fliegende Waffe. ÄTSCH!

 

Drei Minuten und einen braun gepunkteten Sigurd später.

 

„Lasst uns zurückfahren. Wir könnten sogar noch was vom Springen sehen“, schlug Bjørn  Einar vor. „Ich muss erst mal zum Hotel. Ich rieche wie eine Nugattistulle“, beschwerte sich das Gürkchen. „Zu doof, dass du nur nicht so lecker bist.“ Ich streckte ihm die Zunge raus.

Bjørn Einar und Sigurd tauschten bei meinen Worten und Verhalten einen missmutigen Blick aus. „Irgendwie bekommt ihr unsere Gesellschaft nicht“, schlussfolgerte Sigurd. „Am besten wir bringen sie zu Magnus Stian zurück.“

Hey, hatte ich da nicht auch ein Wörtchen mitzureden?

Scheinbar nicht, denn bevor ich wusste, wie mir geschah, saß ich auf der Rückbank eines ihrer Babybomber-Mobile und brauste zurück Richtung Hinterzarten. Aber laut meiner Uhr würden wir wenigstens nicht mehr wirklich  viel vom Springen mitkriegen.

Ätsch!

 

 

 

 

 

30.3.10 14:34


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*winke*
Die Redaktion (aka klein Miki) dankt für die lieben Reviews. J
Kleiner Musiktipp bei der Lektüre:

 

http://www.youtube.com/watch?v=QIfPIwWn-vg

 

Und auf geht’s:

 

***

 

Am frühen Morgen…

 

Ich erwachte, weil ein Spatz neben mir meinte, eine Sonate von sich geben zu müssen und die dann auch gleich noch mit Zugabe. Das gute Sängerlein hatte wohl vor, die aufgehende Sonne begrüßen zu müssen.

Ich zog mir die Decke über den Kopf, um das unwillkommene Licht noch ein Weilchen auszublenden und lauschte Magnus Stians Atemgeräuschen.

Und ruckartig fiel mir ein, was sich in der Nacht so zwischen drei und vier ereignet hatte.

 

Und der Rest ward Schweigen…

 

Neiiiiiin!
Oh Gott, oh Gott, oh Gott!

Nein, das war nicht…

Oh doch, es war passiert.

Ich spürte, wie eine leuchtende Röte sich in meinem Gesicht ausbreitete. Himmel hilf, so hatte ich mir das Ganze aber nicht vorgestellt, als ich mir mal vorstellt hatte, wie ich…

Also wie…

Ihr wisst schon…

Ähm gut.

Vorsichtig lugte ich wieder unter meiner Decke hervor und warf einen verstohlenen Blick zum schlafenden Magnus Stian. Sein blondes Haar fiel ihm ins Gesicht...

Oh Gott.

Ich strampelte die Bettdecke weg.

Ganz schnell mal ein stilles Örtchen aufsuchen und sich von diesem verstörenden Anblick befreien und…

„Dana-Pusselchen, ich höre die kleinen Rädchen in deinem Kopf bis hier hin arbeiten.“

Ups…

Konnte ihn nur anstarren.

„Jetzt mach’ nicht solche Kulleraugen. Ich bin schon die ganze Zeit wach. Diese verfluchte Spatz da vorne würde ja sogar Tote wecken.“ Er strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Ich… Hm… Also… äh… ich glaube…“

Mah, irgendwie hatte ich gerade das Gefühl, dass die Worte auf meiner Zunge eine Massenkarambolage hinlegten. Sein Grinsen vertiefte sich nur.

Es war nahezu widerwärtig.

Erstens, schien er genau zu wissen, dass meine Gedanken ebenso wie meine Worte gerade einen Auffahrunfall nach dem anderen hinlegten. Zweitens, schien er sich gleichzeitig pudelwohl zu fühlen.

So ähnlich wie Kater mit einem Schälchen Sahne…

„Ich guck’ mal nach dem Frühstück“, schaffte ich es endlich hervorzuwürgen.

„Frühstück?“ erschall es fragend.

„Äh ja.“

„Dana, wir haben es gerade mal sechs Uhr morgens. Also mir steht der Sinn noch nicht nach Frühstück.“

„Äh, aber mir…“

„Quarks. Du verziehst dich jetzt hier nicht mit vor Scham roten Ohren. Dafür gibt’s keinen Grund.“ Er gab mir einen kurzen Kuss und breitete dann wieder die Decke über uns aus.

„Ich…“

„Dana… Bleib’ einfach noch ein bisschen liegen, ja?“

Er zog mich an sich. Ich kniff ganz fest die Augen zusammen und überlegte krampfhaft, was ich machen sollte. Jetzt noch aufstehen war doof. Besonders, weil er mir gerade mit den Fingern durchs Haar fuhr und das irgendwie doch ganz angenehm war.

Komischerweise konnte ich mich schließlich -  trotz der durch und durch peinlichen Situation – entspannen und schlief wieder ein.

 

Küche.
10.11    Uhr

 

Es kann ganz schön schwierig sein, Rührei zu fabrizieren, wenn man fürchterlich nervös ist, weil der … äh ….

Um Himmelswillen…

Wie sollte ich Magnus Stian denn nun nennen?

Okay, wenn der Liebhaber der letzten Nacht mit dem eigenen Bruder, einem guten Freund und zwei weniger guten Freundinnen am Tisch saß.

Zwei Anläufe mit dem Rührei waren schon gen Kanalisation gewandert. Und diese Variante schnupperte auch nicht so richtig gut. Aber wenigstens war ich so beschäftigt und musste mich so nicht zu ihnen an den Tisch setzen. Okay, vier fünftel des Tisches waren definitiv auch noch im Halbschlaf. Nur Magnus Stian wirkte wach.

Zum Glück.

Irgendwie musste meine Körpertemperatur immer noch ziemlich hoch sein. Ein Blick in den Spiegel hatte mir nämlich vorhin bestätigt, dass ich heute sehr gesunde Apfelbäckchen hatte. 

Zwei Fünftel des Tisches erwachten nun doch langsam aus ihrem einem Koma ähnlichen Zustand und starrten Magnus Stian an. Dem das aber scheinbar nicht so zusagte, da er betont auf seine Uhr sah und dann demonstrativ ein Gespräch mit Marc anfing, als Miriam versuchte, ihn anzusprechen.

Inzwischen roch mein Rührei schon leicht angekokelt. Wurde wohl doch Zeit, es vom Herd zu nehmen. Wenn Magnus Stian doch nur endlich mal fertig mit seinem Kaffee wurde und einen Abflug machte. Mein Bruder, der wohl scheinbar merkte, dass ich etwas neben der Spur war, zwinkerte mir zu.

„Lass’ mal, Schwesterherz. Bevor du heute Rührei fabrizierst kriegst, sind wir alle fertig mit dem Frühstück. Und ich glaube, du verdirbst dir an dem Produkt auch mehr den Magen als alles andere.“

Hatte sowieso keinen Hunger.

Endlich erhob sich Magnus Stian. „So, ich muss los. Danke für das Frühstück.“ Zu  meinem Glück verzichtete er auf großartige Verabschiedungen vor den anderen. Ich brachte ihn noch zu Tür, dort gab er mir dann einen kurzen Kuss auf die Stirn. „Bis nachher.“ Damit verschwand er erst einmal.

Endlich konnte ich mal einigermaßen befreit aufatmen.

Okay, für ca. fünf Sekunden.

Kaum war die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen, da wurde ich regelrecht von Miriam und Marlene eingezingelt.

„Warum war dieser Adonis hier!“

„Was habt ihr gemacht?“

„Was will der von dir?“

Mah, das war wie ein Kreuzfeuer.

„Sagt nicht, dass der mit dir…“ Volltreffer, von einem Querschläger vernichtend getroffen. Ich zuckte dementsprechend auch kurz zusammen.

Miriam sah mich angewidert an.

„Das ist jetzt nicht wahr, oder?“

„Äh, ich weiß nicht, was du meinst. Der war nur durch Zufall gestern Abend hier und hat Marc und Stefan besucht und…“

„Kann mir auch kaum was anderes bei dir vorstellen…“

„Ey, dein Handy geht, Marlene!“, donnerte es aus dem Wohnzimmer. Den Bruchteil einer Sekunde war ihre Aufmerksamkeit abgelenkt und den nutzte ich, um mich ins Bad zu flüchten und erst einmal in Ruhe zu duschen.

 

Unter der Dusche….

 

Okay, mir wurde eins klar.

Ich konnte heute nicht zum Springen.

Ich brauchte dringend etwas Abstand.

Nicht, dass ich jetzt vor Scham verging oder so.

Ich meine, dass war ein Fauxpas…

Oder so…

Und ich meine…

Also…

Ich ging wenigstens nicht als eiserne Jungfrau in die ewigen Jagdgründe.

(Man muss jeder Situation etwas Positives abgewinnen.)

Aber ich sah mich heute außer Stande, länger in Magnus Stians Gegenwart aushalten zu müssen. Das war meinem Blutdruck ganz und gar nicht zuträglich.

Hm, Marc und mein Brudermonster wollten heute auf dem Titisee mit einem Bötchen rumplätschern. Miriam und Marlene wollten natürlich zum Springen und waren zum Mittagessen mit ein paar Mädels verabredet, die sie vom Schanzengurus-Forum kannten.

Also, es bestand die Möglichkeit, dass ich mich in der Mittagszeit verdrücken konnte.

Und ich wusste auch genau wohin.

 

Freiburg ich komme!

 

13.12

 

In der Regionalbahn nach Freiburg.

 

Also ehrlich, selbst eine Ölsardine hat mehr Platz in ihrer Dose.

Die Deutsche Bahn mutet ihren Fahrgästen wirklich Ungeheuerliches zu.

Und wahrhaftig, der Mann neben mir hätte sich echt mal wieder waschen können.

Der roch unter seinen Achseln, als ob das was gestorben wäre.

Mah, mir wurde schlecht…

Konnte einer der ca. 534 anderen Fahrgäste mal bitte ein Fenster aufmachen?

 

 

13.54 Uhr

 

Freiburg. Hauptbahnhof.

 

Frischluft!

Ich lebe wieder!

Heureka!

Und jetzt noch einen Frapuccino von Starbucks!

 

14.23 Uhr
Eine Buchhandlung.

 

Amalia starrte in seine indigoblauen Augen. Konnte es sein, dass Raphael sie wirklich liebte?
 Aber was wurde dann Lysander? Verzweifelt knabberte Amalia an ihrer Unterlippe und wusste nicht, welche Empfindungen sie mit dieser unschuldigen Geste bei ihrem Gegenüber auslöste…

 

 

„Mensch, die Welt ist ein Dorf!“

Wah!

Vor Schreck beim Klang dieser Stimme ließ ich „Schatten der Leidenschaft unterm Mondlicht“ fallen.

„Sag’ mal, bist du uns gefolgt?“, feixte das Gürkchen. Bjørn Einar hatte sich inzwischen gebückt und den Liebesroman, den ich eigentlich vorgehabt hatte zu kaufen, wieder aufgehoben. „Oh ha“, war sein einziger Kommentar, als sein Blick auf den Einband fiel.

„Und was machst du jetzt hier, Danalein?“, hakte Sigurd nach.

„Sh…Shoppen?“, brachte ich schwach hervor.

„Wie?“ Mal wieder wanderten seine Augenbrauen. „Gehört es nicht zu deiner Aufgabe als Fan, an der Schanze regelrecht festgewachsen zu sein?“

„Ich… Hatte heute einfach…. Äh… keine Lust.“ Warum klang ich immer noch so verzagt? „Sag’ ja, du bist uns nachgefahren.“ Sigurd grinste.

„Neiiin!“, brachte ich jetzt doch mal entschiedener vor. „Ich dachte, ihr würdet springen!“

„Bjørn Einar hat sich was gezerrt und kann nicht und ich bin nicht aufgestellt?“

„Was gezerrt?“, fragte ich verwirrt. „Wann denn?“

Beim kleine Autos um Säulen jagen, konnte man sich was zerren?

Bjørn Einar gluckste vergnügt. „Och, war nur was Temporäres.“

„Ihr schwänzt das Springen?“ Nun war ich doch mal fassungslos.

Die beiden zuckten mit den Schultern. „Ich würde das nicht Schwänzen nennen, das klingt so unschön. Wir pausieren nur.“

Also ehrlich und so etwas wollten Leistungssportler sein.

„Weißt du eigentlich, wo Magnus Stian letzte Nacht gesteckt hat? Der wollte noch mal kurz bei euch vorbeischauen, ist dann aber nicht mehr aufgetaucht.“ War typisch, dass natürlich Sigurd danach fragte.

„Äh… Uh…“ Ich spürte nur, wie ich leuchtend rot wurde.

Sigurd und Bjørn Einar tauschten einen kurzen Blick aus und brachen dann in schallendes Gelächter aus. Wenigstens schienen sie sich aber einig zu sein, das Thema erst mal nicht vertiefen zu wollen, sondern hakten sich rechts und links bei mir unter und verkündeten laut: „Dana, du darfst uns jetzt erst einmal einen Kaffee ausgeben.“

 

7.3.10 16:03


In einem kleinen Hotel im schwarzen Wald…

„Dana, das ist doch ganz einfach.“ Sigurd sah mich beschwörend an.

„Ach?“ Ich gestattete es einer meiner Augenbrauen, gen Haaransatz zu wandern. Hatte ich mir von ihm abgeguckt. Verpasste einem irgendwie automatisch etwas Gebildetes (oder so).

„Ja“, er nickte, um seinen Sermon von vorhin noch mal zu bestärken.

„Ich mag aber nicht mit Absicht verlieren.“

„Eine Niederlage ist aber schlecht für die männliche Psyche.“ Hatte Freud das gesagt? Und wenn schon.

„Ich kann doch nicht mit Absicht verlieren, nur damit Bjørn Einar weniger maulig ist. Das wäre doch Betrug“, warf ich mein Totschlägerargument ins Rennen.

„Wer von uns hat hier Erfahrung mit dem anderen Geschlecht? Du oder ich?“ Nun waren seine Augenbrauen dabei, ein Wettrennen Richtung Himmel zu veranstalten. Nicht, dass mich das beeindruckte. Und ehrlich gestanden sah das auch nicht gebildet aus. Sollte von seinem mimischen Gesichtsverrenken wohl doch eher Abstand nehmen.

„Du bist aber Single“, grinste ich. Ich wusste von der wilden Hilde, dass Sigurds letzte Trennung nicht so harmonisch verlaufen war.

„Nur temporär“, knurrte er.

„Wenn du meinst.“ Ich klopfte ihm auf die Schulter und hüpfte dann lieber schell von dannen, bevor er mir den Hals umdrehen konnte. Allerdings musste er sich dafür sowieso hinten anstellen. Ich hatte vorhin ein paar männliche Egos mit meinen überlegenen Rennfahrerkünsten gebrochen.

Es wurde wohl Zeit, sich auf den Heimweg zu begeben. Momentan kloppten sich der Held meiner feuchten Träume und der Herr der fettigen Haare um Platz zwei und drei. Und ich hatte ehrlich keine Lust, ihnen noch einen Revanche zu geben. Nach 20 Wiederholungen eines Rennens war auch mein Bedarf an qualmenden Reifen gedeckt. Magnus Stian hatte sich vor einer ganzen Weile schon verzogen. Seine Laune war allerdings auch unterirdisch gewesen. Mal wieder…

Ob er schwanger war?

Bei den Stimmungsschwankungen…

Obwohl, den wollte keiner befruchten.

Okay, okay…

Wollte doch.

Er bekam ja schon Fanpost. Dem waren vorhin im Foyer doch echt schon Nachrichten zugesteckt worden.

Ich zitiere…
„To that blond god with blue eyes… Can I be your candy? xxTinaxx”
Echt wahr.

Die Welt ist so ein finsteres Loch und die Menschheit, bis auf natürlich wenige rühmliche Ausnahmen, extrem niveaulos. 

Die norwegischen Springerchen waren alle sowieso viel zu viel mit ihren kleinen Autos beschäftigt, die sie um Sessel, Tische und Säulen flitzen ließen, als das sie hier großartig pimpern konnten.

Ich beschloss, dass eine große Verabschiedung nicht notwendig war. Ich nickte noch Mika zu, der mit dem Herrn hinter der Rezeption sprach und machte mich dann auf den Heimweg.

Draußen dämmerte es. Die Hitze des Tages war vergangen und hatte Platz für einen angenehmen, lauschigen Sommerabend gemacht. Da machte so ein kleiner Spaziergang doch richtig Spaß. Eigentlich musste hier doch auch so ein Rundwanderweg hergehen.

Ah ja, da vorne ging er ja schon ab.

Ich kramte meinen I-Pod hervor und genoss die Klänge aus dem Soundtrack zu „Die Rückkehr des Königs“, während ich die würzige Waldluft einatmete. Ja, das war Urlaub.

Zwanzig Minuten und ca. 532 Tannen später…


Jetzt wusste ich, warum das Schwarzwald hieß. Mensch, warum war das auf einmal so fix dunkel geworden?

Und überhaupt.

Warum konnte man mit so einem Handy telefonieren, fotografieren, navigieren und was weiß ich, wenn man noch nicht mal eine Taschenlampe dabei hatte und die im tiefsten Schwarzwald auch irgendwie nicht den meisten Empfang aufwiesen?

Toll, soviel zum Post-Gutenberg-Zeitalter oder so.

Irgendwie war das unheimlich.

Hatte da nicht was geknackt?

Gab es im Schwarzwald eigentlich Wölfe?

Oder hatte Bruno einen Bruder gehabt, der durch den Black Forrest streifte? Ich meine, noch so ein Problembär…

Fragen über Fragen.

Vielleicht war es mal an der Zeit, eine Runde zu joggen.

Eine weitere Viertelstunde später…

Äh ja, ich hatte nicht die geringste Ahnung, wo ich mich eigentlich befand.

Im Dunkeln sah man die Wegmarkierungen auch so schlecht.

Und ach ja…

Hallo Panik übrigens.

HILFE!

Ich bin ein Kreischie, holt mich hier aus!

Noch weitere fünf Minuten später…

Hatte vielleicht jemand ein paar Brotkrumen für mich? Oder einen Hänsel? Es war hier gerade so geringfügig einsam.

Drei Sekunden später…

Hiiiilfe…

Okay, ich war eine Frau, ich hatte Survival-Shows im Fernsehen geguckt. Ich würde das hinbekommen. Wenn MacGyver aus einem Kleiderbügel, einem Zahnstocher und einem Kaugummi eine Bombe basteln konnte, dann würde ich auch aus diesem Wald finden.

Äh, hatte da gerade was geknurrt.

Oh mein Gott!

Wölfe!

Zwei Minuten später….

Okay, okay…

Ich hatte mich gerade geringfügig zum Honk gemacht. Der Wolf war ein Mops gewesen und der wurde von einer freundlichen ältern Dame spazieren geführt.

Aber hey, so Möpse können saufies beißen. Denk’ ich, wenn sie mal mit den Hängebäckchen ihr Mäulchen aufkriegen.

Auf alle Fälle kam heraus, dass ich mich doch noch in der Nähe der Zivilisation befand beziehungsweise in der Nähe des Ortes. Die Dame leuchtete mir sogar mit ihrer Taschenlampe den Weg und so kam ich doch noch Wohlbehalten aus dem Wald herausfinden.

Ich muss doch mal meine Panik und meine Paranoia in den Griff bekommen.

23.45 Uhr

Ferienwohnung.

Müde quälte ich mich durch unser rosa Treppenhaus nach oben. Vermutlich war sowieso kein Mensch da…

Eine Annahme, mit der ich komplett falsch gewickelt war.

Marc und Stefan hockten mit ein paar Damen, die mir unbekannt waren, in unserem Wohnzimmer und sahen sich Filme an.

Ich rieb mir die Augen.

Das konnte jetzt nicht war sein…

Und wo konnte ich bitteschön mein müdes Haupt betten?

Nein, Dana…

Ganz ruhig.

Nicht schreien.

Es war warm, wir hatten einen Balkon und draußen funkelten die Sterne.

0.23 Uhr
Balkon neben den Geranien.

Drinnen erklang lautes Gelächter, während ich in den Sternenhimmel starrte. Ich hatte mir aus Decken und Kissen ein doch einigermaßen bequemes Lager gebaut.

Oh, da vorne war der kleine Wagen.

Seufzend drehe ich mich auf die Seite.

Mist, ich konnte nicht schlafen…

Hm, dann konnte ich eigentlich noch mal kurz bei meinem Blog vorbeischauen.

Shooting_skis: Hey, abhauen zählt nicht!

mumsbamse: Du warst doch auf einmal weg! Und hallo erst mal.

Shooting_skis: Hallo. Ich musste mit meinem Trainer telefonieren. Für mich geht’s nach diesem Intermezzo schließlich noch weiter nach Oberhof.

mumsbamse: Also ob du irgendwo gewinnst.

Shootings_skis: ich möchte mich ja jetzt nicht selbst beweihräuchern, aber du weißt schon, dass ich den Weltcup in der letzten Saison auf Platz drei abgeschlossen habe?

mumsbamse: Weil du vermutlich  beim Zielen auf die komischen Scheiben den anderen immer in den Hinter geschossen hast und das Starterfeld nur noch aus drei Leuten bestand.

Shooting_skis: …

mumsbamse: Habe ich Recht?

Shooting_skis invites grinchy_oops to chat.

Grinchy_oops: Mensch Dana, Tomtom und Björnnis fahren immer noch um die Wette!

Mumsbamse: Ja und? Nehmt ihnen die Fernsteuerungen weg.

Shooting_skis: Wenn ich noch lange diese quietschenden Geräusche ertragen muss…

mumsbamse: Ölt doch die komischen Autos.

Grinchy_oops: Wer spricht hier von Autos.

mumsbamse: na, weil du von quietschenden Geräuschen sprichst…

Shooting_skis: Quatsch, unser Nebenzimmer hat Besuch.

mumsbamse: ups…

Shooting_skies: ja, ups.

mumsbamse: Tja, ich liege hier lauschig unter dem Sternenhimmel, atme den Duft von Blumen ein…

grinchy_oops: Hä?

mumsbamse: Stefan und Marc haben auch Besuch…

Shooting_skis: Ist hier was im Wasser? Das ist ja nicht mehr normal.

Grinchy_oops: Diese Worte… Aus deinem Mund. Ich bin sprachlos.

mumsbamse: *wirr*

Grinchy_oops: Tja, Danalein, du musst wissen, dass der gute Magnus Stian den Ruf genießt…

Shooting_skis: Halt die Klappe!

Grinchy_oops: Wo war ich, bevor ich so rüde unterbrochen wurde? Ach ja, den Ruf genießt, mehr seiner Fans glücklich gemacht zu haben als unser guter Bjørn Einar.

mumsbamse: Echt jetzt?

Shooting_skis: Siggen!

mumsbamse: KLAPPE, du schießende Latte. *kicher*

Grinchy_oops: *GRÖL*

Shooting_skis: Danaleinchen… Wo liegt eure Ferienwohnung noch mal?

mumsbamse: :P

Grinchy_oops: So, ich geh’ schlafen.

Shooting_skis: Yo.
mumsbamse: *off*

Zwanzig Minuten später. Immer noch links von den Geranien.

Ich hatte mich tief in meine Decken und Kissen gekuschelt und war kurz vorm Einschlafen, als die Balkontür ging. Müde öffnete ich ein Auge. „Stefan, ich will schlafen…“

„Na, ich doch auch.“

„Magnus Stian?“ Ruckartig setzte ich mich auf.

Es war zu dunkel, als dass ich seinen Gesichtausdruck vernünftig hätte erkennen können. Aber ich wette, dass ein fieses Grinsen seine dekorative Fassade zierte.

Missmutig zog ich meine Decke über den Kopf. Vielleicht verschwand diese böse Erscheinung dann wieder.

Stattdessen streckte er sich neben mir aus und zupfte an meiner Decke.

„Wer hat dich überhaupt reingelassen?“, murrte ich.

„Stefan war so nett.“

„Wenn ich jetzt höflich sage: ’Verschwinde’. Machst du das dann?“

„Nö.“

„Toll, du bist wie die Pest, rattus norvegicus (Anmerkung Miki: Sorry, passte gerade so gut…. *schäm*)! Dann gestatte, dass ich mich in Morpheus’ Arme begebe.“

„Von mir aus.“ Er klaute sich eines meiner Kissen.

„Übrigens hat Sigurd übertrieben“, kam es nach einer Weile.

„Hm?“

„Ja.“

„Fein.“ Ich gähnte demonstrativ.

„Gute Nacht.“

„Gute Nacht.“

Inzwischen zupfte er wieder an meiner Decke.

„Hey… Was… Wo packst du deine Hände hin? Was zum Geier wird das?“

„So ist’s gut.“ Magnus Stian hatte seine Patscheärmchen um meine Mitte geschlungen. „Schlaf gut, Dana.“ Er pustete mir ins Ohr. Ich lag da, steif wie ein Brett, und wusste nicht, was ich davon halten sollte.

 

28.2.10 12:12


Musikalisch empfehle ich zur Einstimmung für dieses Kapitel:

http://www.youtube.com/watch?v=xrAYw1Aai6Q

Und noch mal vorweg, die Geschichte ist reine Fiktion und wenn einige Leute meinen, sich in dieser Geschichte wiederzufinden, dann kann ich nur sagen…
Yo, durchaus möglich. Weil ich so ziemlich alles verwurste, was mir beim Goggeln über den Weg flitzt.
Dana hat beispielsweise die Schrullen, die uns allen entgegen gucken, wenn wir in den Spiegel schauen. ^^

****

Im süßen kleinen Hinterzarten,
dort wo im Schwarzwald die Kreischies warten,
da gibt es auch paar Hühner,
die kriegen bald eins drüber!


„Also das war jawohl ein Satz mit X!“
„Hä?“ Die wilde Hilde sah mich fragend an.
„Na, das war wohl nix!“ Ich grinste fies. Danach musste ich in Denkung gehen, weil das Tomtom-Null-Null-Navigationsgerät sich empört umdrehte und mir fast einen mit seinen Skiern verpasste. Ich hoffte doch mal stark, dass das Attentat mehr ein Versehen war. Nach seinem fiesen Gesichtsausdruck zu urteilen vermutlich aber eher weniger. Wütend stampfte er zur norwegischen Party-Metropole im Springerdorf, ich blieb grinsend auf meiner annektierten Bank (ich hatte hart mit zwei Kontrolleuren um sie kämpfen müssen, aber die musste inzwischen mal wirklich arbeiten) sitzen und mampfte glücklich meine Schoko-Kokos-Zwiebäcke.
Ja, so ließ es sich leben.
So was nannte ich Skispringen gucken Deluxe.
Plötzlich ließ sich das Gürkchen neben mir nieder und klaute mir den letzten Schokoladenzwieback.
Oller Sadist und Raffzahn…
„Musst du nicht den Lemming geben und dir den Hals brechen?“
„Nö, ich habe meine Trainingssprünge hinter mir. Steht nur noch die Quali aus.“ Er streckte sich genüsslich.
Hm, dieser Platz hatte doch einen Nachteil. Man bekam hier definitiv nicht alles mit.

Okay, okay, vielleicht hatte mich auch vorhin nur abgelenkt, wie Bjørn Einar aus dem Lift stieg.
Sein blondes Haar wehte im Wind.
Das Spiel seiner formvollendeten Muskeln…
Ihr wisst, was ich meine…
„Lass’ mich raten, du hast nicht mitbekommen, dass ich im letzten Trainingsdurchgang am weitesten von allen gesprungen bin, weil du damit beschäftigt warst, Bjørnnis anzusabbern.“
Mah, der Mann war gruselig.
Ehrlich, konnte der bei seinem uncharmanten Charakter nicht wenigstens einen Intelligenzquotienten so hoch wie eine Teppichkante haben?
„Übrigens habe ich heute Abend noch Arbeit für dich.“
„Hä?“ Ich blinzelte irritiert.
„Wir beiden Hübschen müssen basteln.“ Sein Gesichtsausdruck ließ sich nur als maliziös beschreiben.
„Basteln? Was denn?“
„Das erfährst du später.“
Damit stand er wieder auf und machte sich auf den Weg zum Imbiss für Skispringer. Da gab es sogar Sachen mit Kalorien, möchte ich anmerken.
Aber die Sache mit dem Basteln bedufte der Klärung…

Zwei Minuten später…

„Magnus Stiiiiiiiian! Jetzt sag schon.“
Der so Angesprochene rollte genervt mit den Augen. „Dana, wenn du mich weiter so nervst und so dumm ansprichst, dann melde ich dich als Ziege für die Notschlachtung an!“
„Maaaaagnuuuus Stiiiiiiiiiiiiian!“, steigerte ich mich noch.
Daraufhin sah er aus, als würde er mir am liebsten den Hals umdrehen.
„Jetzt komm’ schon, Sigurd will nichts verraten, aber du weißt doch auch, worum es geht, oder?“
„Dana, es ist nicht Weihnachten und du glaubst auch nicht mehr an den Weihnachtsmann, also warum die Ungeduld?“
Mit Vehemenz fing er an, über ein Paar Skier zu bügeln.
„Aber ich trau’ Sigurd nicht. Etwas basteln, das klingt so ominös. “ Ich setzte meinen nicht vorhandenen Dackelblick auf. Magnus Stian seufzte.
„Dana, glaube es mir, DIR steht nichts Schlimmes bevor.“
Hmpf, so wirklich glauben tat ich es aber trotzdem nicht.
War aber gespannt wie ein Flitzebogen, was Don Sigüüüür mit mir zusammen basteln wollte.

:*


Drei Stunden später…
Ferienwohnung. Badezimmer…

Stand ich unter der Dusche und trällerte fröhlich ein Liedchen vor mich hin. Die Qualifikation hatten übrigens alle Norweger überstanden. Auch wenn es letztendlich ein bisschen knapp für das Gürkchen und TomTom geworden war. Trotzdem waren für Sonntag zumindest alle im ersten Durchgang am Start.
Ich hatte mich vorhin still und leise aus dem Staub gemacht, während die sich noch am Umziehen und am Zusammenräumen gewesen waren. Ich hatte nicht das Bedürfnis verspürt, noch einmal deren schwere Taschen zu schleppen.
„Loooooove wiiiiiilll keeeeep usss toogeeeeeethhhhaaaaaaaaaa“, schmetterte ich mit Inbrunst und seifte meine Haare ein, also es an der Tür klopfte.
„Dana, stell’ das Gejaule ein, die Katzen der Nachbarin singen schon im Chor mit“, ertönte Stefans Stimme.
Oller Meckerfritze.
„Und Sigurd hat sich gemeldet. Ich soll dir drakonischen Strafen androhen, weil du dich vor der Arbeit gedrückt hast und außerdem sollst du so gegen am sieben am Hotel sein. Sag’ mal, läuft da was zwischen dir und ihm?“
„Zwischen wem und Dana?“, erschall jetzt auch Marcs Stimme.
„Zwischen ihr und Sigurd, obwohl ich eigentlich dachte, dass sie und Magnus Stian…“
„Verschwindet von meiner Badezimmertür und mein Leben ist keine Ausgabe der Bravo oder Sehen und Hören!“
Prompt erschall Gelächter vor der Tür.
„Nee, dafür fehlt die Action!“, kam es gehässig von meinem Brudermonster.
„HAUT AB!“
Grimmig schrubbte ich auch den Rest von Klein Dana sauber.

Zehn Minuten später…


Waren auch die Zähnchen geputzt und ich zog ein T-Shirt über meinen noch unfrisierten Kopf und hüpfte dann aus dem Bad, weil Marc mal dringend rein musste.
Nur in Unterhose und T-Shirt und mit abstehenden Haaren schlenderte ich also ins Wohnzimmer zu meiner Schlafcouch und blieb abrupt stehen.
Was machten die beiden Hühner denn hier?
Und warum sahen die mich so doof an?
Okay, okay…
Auf meinem T-Shirt war ein Ernie in der Badewanne samt Quietschentchen…
Meine Haare wirkten wie frisch in den Orkan geraten…
Und meine Unterhose hatte rosa Punkte…
Man sah meine dicken Oberschenkel….
Okaaaay….
Ich spürte, wie ich leicht rosa um die Nase wurde.
Da war sie hin meine Eloquenz.
Hastig griff ich nach meinen Shorts, die auf der Lehne des Sofas lagen und nuschelte ein „Kurzes Hallo“.
Die beiden musterten mich nur herablassend.
„Ah ja, die Norweger-Stalkerin wohnt also wirklich hier. Ich dachte vorhin, Miriam hätte gescherzt“, bemerkte Miss  Eine-Dumme-Planschkuh  schließlich.
Hey, wer stalkte denn hier bitteschön?
„Tjaaaa, einen auf wichtig machen und eigentlich nur stören“, fügte die andere hinzu.
Was fiel denen ein?
Endlich fand ich meine Eloquenz wieder.
„Und was zum Geier macht ihr beiden hier? Außer die Luft verpesten?“
Uh, das hatten sie jetzt nicht erwartet.
Die eine klappte den Mund zur Erwiderung auf, doch ich kam ihr zuvor.
„Ich weiß jetzt nicht, was genau euer Problem ist, aber geht nicht mir damit auf den Latz!“
In dem Moment kam Miriam rein. „Miriam, ich glaube, deine Gäste wollen gehen und ich machte das jetzt auch!“
Mit einem Ruck zog ich meine Shorts über.
Mit dem Stylen für Bjørn Einar wurde es wohl nichts mehr. Wütend rauschte ich davon.


Gegen 19 Uhr, also so ungefähr eine Fußmarsch zum Hotel der Norweger später
Wenigstens war auf der Steigung das letzte bisschen Wut doch merklich verpufft (aufgrund von akutem Luftmangel&hellip

„Mensch Dana, ich glaube, die brauchst du dringender als ich!“, damit drückte Bjørn Einar mir eine Haarbürste in die Hand.
Toll…
Na, wenn das mal kein Beweis von Liebe war.
Aber wenigstens noch charmanter als Magnus Stian, der war einfach nur in schallendes Gelächter ausgebrochen war. „Dana, du weißt schon, dass man sich nach dem Duschen abtrocknen soll, oder?“, kicherte er.
Ich streckte ihm die Zunge raus, während die wilde Hilde mich, wie der weiße Hai es mit seinen Opfern macht, umkreiste.
„Das T-Shirt ist cool! Verkaufst du mir das?“
„Äh…“
Sie setzte ihren Welpenblick auf.
„Ich denke darüber nach“, brachte ich schwach hervor.

Magnus Stian hakte mich unter und zog mich mit sich. „Komm’ Sigurd ist schon bei der Arbeit.“
Wenig später wusste ich, was mit Basteln gemeint war. Mr. Grinchy Grinch und ich verbrachten eine vergnügliche Zeit vor seinem Laptop, während die anderen um uns herum, ihre komischen ferngesteuerten Autos zu Schrott fuhren.

Auf einem Hotelflur.

„Dana! Der Pfeiler!“ Im letzten Moment steuerte ich das Auto noch drum herum. Neben mir rupfte ein schon leicht panischer Bjørn Einar seine wunderbaren blonden Haare aus.
Aber ich war im Moment eine Frau mit einer Mission und die hieß, Magnus Stian in diesem Rennen zu schlagen.
Gnadenlos zu schlagen…
Und danach war  das Gürkchen dran.
Jawohl ja!
11.12.09 23:17


Hey ho!
Danke für das liebe Feedback. =)
Ich wünsche viel Spaß beim nächsten Kapitel.
Und empfehle als Hintergrundmusik:

 

http://www.youtube.com/watch?v=WusHDsK1yBQ

 

*******

 

Es war einmal ein armes, kleines Mädchen, das wurde von einer 1, 80 Meter großen Gurke drangsaliert. Diese Gurke zwang sie jeden Tag, Taschen von A nach B zu tragen.
Das Gürkchen lachte dabei die ganze Zeit gehässig und war von seinen widerlichen kleinen Cornichons umgeben, die ebenfalls auf dem armen, kleinen Mädchen rumhackten.
Doch eines Tag  platzte dem armen, kleinen Mädchen der Kragen. Sie schlich sich des Nachts heimlich davon und besorgte sich einen riesigen Gurkenhobel…

 

„Daaaana! Wie lange dauerte das denn noch?“, dröhnte die größte Gurke der Unterwelt schon wieder mit ihrem extrem lauten Sprechorgan, während ich mich mit diesen zwei Reisetaschen abschleppte. An den Ordner war ich damit vorbei gekommen, aber ich hatte die Befürchtung, dass ich den Weg zur Hütte nicht schaffen würde.

Eher endete ich als Skelett, begraben unter zwei Reisetaschen, über das der postnukleare Winde hinweg fegte…

„Urgs!“ Vorsichtig setzte ich einen Fuß vor den anderen. Wo war eigentlich mal Magnus Stian, wenn man ihn brauchte?

Ah, da vorne.

Der unterhielt sich mit ein paar Ösiländern und winkte mir nur fröhlich zu.

Was hatten die da drin?

Blei?

Neben mir kicherte es gehässig, als Tom mit zwei Paar Skiern über den Schultern  an mir vorbei trabte.

Oller Angeber!

Ha, ich hatte wieder dreißig Zentimeter geschafft.

Man, das war so schwer!

Wem gehörten diese verflixten Taschen?

Zu mir gesellte sich Anders und sah mich mitleidig an. „Oh, Bjørn Einars und Toms Tasche!“

Na, die Frage war geklärt.

„Was haben die da drin? Das kann doch keine Unterwäsche zum Wechseln sein!“

„Also in Bjørn Einars Tasche dürfte mit Sicherheit seine Nespresso-Maschine sein… Und Tom… Hm, der hatte ständig Gedöns dabei. Könnte sein, dass du gerade zwanzig Überraschungseier oder so spazieren führst.“, erklärte er.

Nespresso-Maschine?

Überraschungseier?

Ich blinzelte.

Anders akzeptierte das als Ausdruck meiner maßlosen Ungläubigkeit und nahm mir eine Tasche ab.

Wenigstens der war nett.

Der würde von meinem Gurkenhobel verschont bleiben.

Jawohl ja.

Trotzdem war diese olle eine Tasche auch immer noch sehr schwer. Aber wenigstens trug ich Bjørn Einars Gepäck.

Also seine Nespresso-Maschine oder so…

Ob ich einen Kaffee abbekam?

Endlich kam diese doofe  Hütte in Sichtweit. Wenigstens von einer Last befreit, hatte ich inzwischen ja auch die Muße, mich ein wenig umzuschauen.

Und ehrlich…

Die Hälfte der Zeit standen die Skispringer nur dekorativ rum. Man kann mir sagen, was man will. Die posierten hier doch für die ganzen Mädchen, die in den Büschen hinter dem Zaun versteckt waren. Die Blitze konnten denen gar nicht entgehen. Und warum hätte der Arthur Pauli vorhin sonst so dekorativ sein T-Shirt ausziehen sollen?

Mit einem Ruck wurde mir Bjørn Einars Tasche aus der Hand gezogen und zwar von ihm selbst.

Mit großen Augen sah ihn an. Doch er zwinkert mir nur zu.

„Stianus wartet auf dich. Er meinte, dass du ihm beim Skier wachsen helfen kannst.“

Wachsen?

Ich kannte nur Kaltwachs zum Haare ausrupfen und das tat scheußlich weh…

Unschlüssig blieb ich vor der Hütte der Norweger stehen. Durfte ich da jetzt rein? Hörte sich an, als würden die eine wilde Party veranstalten… Bei der lauten Musik.

Nervös scharte ich mit einem Fuß über den Boden.

„Du kannst ruhig reingehen“, kam es freundlich von der Nachbarhütte. „Noch fressen die keine Menschen.“

Oh mein Gott, Ville Kantee hatte mit mir gesprochen.

„Äh ja, danke!“

Ich wollte gerade hinein huschen, als Magnus Stian auftauchte. „Ah, Dana! Hast du die Taschen abgeliefert? Dann kannst du mir ja helfen. Schnapp’ dir mal die beiden Holzböcke da vorne.“

Mist!

Hätte der nicht noch zwanzig Sekunden auf sich warten lassen können?

Dann hätte ich in der Hütte bei Bjørn Einar und der Nespresso-Maschine sein können.

Ich unterdrückte ein Seufzen.

Gehorchte dann aber artig. Mein wundes Auge erspähte die Holzblöcke neben der Hütte und artig schleppte ich  sie heran.

 

Zehn Minuten später…

 

„Ey, du kannst ja bügeln!“ Ich kaute auf einem der komischen staubtrockenen Kekse herum, von denen dieser ständig rauchende norwegische Betreuer mir angeboten hatte, und beobachte Magnus Stian bei seinem Tun.
„Bügeln?“ Er zog indigniert eine Augenbraue hoch.

„Na, was machst du sonst? Für mich schaut das verflixt nach Skier bügeln aus.“ Ich grinste breit.

„Pff.“ Magnus Stian grummelte in seinen vorhandenen Dreitagebart und fuhr wieder mit diesem Mini-Bügeleisen, oder was immer das war, über die Skier.

„Wachs sie ja gut“, empfahl ich ihm.

Es war nämlich Bjørn Einars.

„Ja, ja…“

„Du kannst ja beim Gürkchen ein bisschen Wachs einsparen und lieber mehr auf Bjørn Einars schmieren“, grübelte ich laut.

„Hier geht es nicht um Quantität.“

„Wieso? Mit mehr flutscht es doch besser.“

Magnus Stian sparte  sich  lieber eine Antwort darauf.

„Flutschen? Dana, er schmiert Wachs auf die Skier, kein Gleitgel!“, donnerte das Gürkchen aus dem Nirgendwo.

Prompt wurde ich knallrot, verschluckte mich an meinem Keks und erstickte fast, während ich über diese Worte von Schwiegermamas Liebling aka Sigurd Pettersen nicht hinweg kam. Ehrlich, der war aus der Höhle empor gekrochen, um die Menschheit im Ganzen und im Speziellen mich zu drangsalieren.

Er, das Gürkchen of doom, war zusammen mit Bjørn Einar und Geir Ole Berdahl aus der Hütte aufgetaucht.

Ich beobachtete, wie sie mit lustigen Trockensprüngen anfingen.

Was die Grazien unten wohl gerade trieben?

Mah, das Gürkchen machte aber einen auf nassen Sack bei seinem Trockensprung.

Geschah ihm recht!

He he…

Und ich hatte Durst…

Ich kramte in meinem Rucksack nach meiner Wasserflasche, als ich auf einmal ein unangenehmes Jucken im Nacken spürte.

Als würde sich das was reinbohren…

Wenn das Akte X gewesen wäre, hätte ich ja auf einen Übergriff von Aliens getippt.

Aber so vermutete ich doch mehr, dass mich jemand finster ansah.

Oh und wie mich jemand böse anschaute.

Nämlich die beiden Mademoiselles von vorhin.

Die waren ja akkreditiert gewesen…

Stimmt.

Und die durften auch ins Springerlager?

Weswegen sahen die mich dann an, als wäre ich ekeliger Dreck unter ihren Schuhen?

Wenigstens kamen die nicht rüber.

Ich würde einfach hier hocken bleiben und mich klein machen. Sonst hauten dich mich noch mit ihren Kameras oder so.

„Hey Dana! Sag’ mal ‚hallo’!“

„Wäh!“ Ich zuckte zusammen und schnauzte:  „Jetzt schleich dich doch nicht so an, Tom!“

„Tu’ ich gar nicht. Aber du warst so in Gedanken versunken.“

„Binde dir  gefälligst ein rosa Bandana  als Warnsignal um den Kopf, bevor du unschuldige Mitmenschen so attackierst!“

Er pfiff auf. „Uih, was hat dir denn die Laune verhagelt?“

„Gar nichts.“

„Dein Camcorder und ich schätze mal die beiden Grazien da vorne, die ihr gerade Löcher in den Bauch starren“, mischte Magnus Stian sich ein und nickte in Richtung der beiden Pseudo-Presseweibchen.

Die wilde Hilde ließ die Augenbrauen ein Meeting über der Nase machen und schob den im Mund befindlichen Lolli von der rechten auf die linke Seite.

Plötzlich grinste er.

„Ich kenn’ die“, kam es gedehnt von ihm.

„Echt?“ Magnus Stian und ich wurden hellhörig.

„Yo. Die eine findet mich ganz schick.“ Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare und warf mit einem Pseudoschlafzimmerblick um sich.

Hatte mehr was von einem Welpen, der um Streicheleinheiten bettelte.

„Und die andere mich.“ Bjørn Einar hatte seine Trockenübungen wohl hinter sich gebracht  und gähnte laut. Das wiederum konnte ich nur durch und durch verstehen.

Ich fand ihn auch toll…

 

Weswegen war ich wohl in Norwegen gewesen…
Ja, ja…
Wunderbare Landschaft…
Höchste Lebensqualität…
Aber hey, in erster Linie…
Wir wissen doch alle, warum deutsche und weibliche Skisprungfans in Scharen nach Norwegen pilgern.
Nicht, weil wir alle Munch so toll finden und Ibsens Stücke auswendig können.

 

Aber die zwei beiden einen waren dabei wohl nicht unentdeckt geblieben.

„Die waren letzten Winter, diesen Sommer und den davor bei fast jedem Springen“, gluckste Tom.

„Und bei jeder nationalen Meisterschaft“, fügte Bjørn Einar hinzu.

„Sag’ mal, Sigurd…“, Magnus Stian grinste fies, „für euren Blog…“ Er ließ den Rest des Satzes in der Luft schweben.

Wir anderen blinzelten irritiert.

Sigurd schien aber diese mysteriöse Andeutung, die dem Orakel von Delphi alle Ehre gemacht hatte, zu verstehen. „Oh Stianus. Manchmal hast du so wunderbare Ideen, Hasi!“

Hasi?
Waren die jetzt Siegfried und Roy?

Das Gürkchen nahm der Hilde den Camcorder ab. „Ich hab’ mal eben ein bisschen zu tun. Warum geht ihr nicht einen Nespresso oder so trinken?“

„Was hast du denn vor, Siggikens?“ Bjørn Einar schmunzelte.

„Oh, ich… Ich mache jetzt ein Interview“, erklärte das Gürkchen hoheitsvoll und marschierte davon.

23.10.09 23:36


Eine Stunde später…

 

Nach diesem denkwürdigen Frühstück auf dem Bjørn Einar mal wieder NICHT erkannte, dass ich die Liebe seines Lebens war, machte ich mich zusammen mit Magnus Stian auf den Rückweg zur Schanze. Allerdings wollte ich seine Begleitung ganz und gar nicht.

So etwas von überhaupt nicht nicht…

Und sowieso…

Trotzdem blieb er wie Pech und Schwefel an mir hängen. War ja auch wieder typisch für mein Glück. An der Schanze hatte sich während meiner Abwesenheit auf alle Fälle nicht sehr viel getan. Außer das sich noch ein paar Leutchen, alle weiblich, versammelt hatten.

Zwei von den Neulingen unterhielten sich angeregt mit Miriam. Ich runzelte die Stirn. Irgendwoher kannte ich die…

Endlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen…

In den uralten Zeiten, als myspace noch aktuell war, hatte ich die mal als ‚friends’ gehabt.

Die eine war ein riesiger Bjørn Einar-Fan, wenn ich mich recht zurück erinnerte.

Und die andere…

Mich deuchte, die hatte einfach ein Faible für alles, was jung, frisch und knackig war. Das reichte von der wilden Hilde bis zu österreichischen Manner-Schnitten. Und die war immer so vom Leben gebeutelt gewesen. Bei ‚Mood’ hatte immer nur gestanden, wie böse das liebe Leben gerade zu ihr war.

 

Tja, das Leben ist eins der Härtesten und endet meist tödlich…

 

Magnus Stian gähnte herzhaft. „Sag’ mal, was wollt ihr eigentlich so früh hier?“

„Hm?“

„Na, die Springer kommen auch erst in zwei Stunden.“

„Jaaa, aber es geht um einen guten Platz.“

„Guten Platz?“ Er blinzelte verwirrt.

„Na, in der ersten Reihe stehen, damit man gute Fotos machen kann.“

„Ah ja.“  Im Gegensatz zu seinen Worten drückte sein Gesichtsausdruck eher Unverständnis aus. Ich sah mich also in Erklärungsnot. „Na, wir wollen alle tolle Fotos für unsere Homepages, Blogs und was weiß ich machen.“

„Okay. Und dafür klemmt man wie eine Sardine hinter dem Zaun?“

Ich nickte.

„Ihr spinnt“, war alles was Magnus Stian von sich gab. Inzwischen hatten die anderen uns auch bemerkt und starrten meine hochgewachsene norwegische Begleitung an.

„Magnus Stian Lunde!“, kreischte ein mir wirklich unbekanntes Mädchen auf einmal. Jetzt war ich mal an der Reihe verwirrt zu blinzeln.

Der war echt doch so bekannt?

Magnus Stian seufzte neben mir. „Vorbei ist’s mit dem inkognito.“

„Hattest du jemals eins? Ich meine, Monstersonnenbrille und Co. sind ja sooo unauffällig.“

„Sagt die Frau, die in einem Bjørn Einar-T-Shirt schläft.“

Wäh?

Das wusste der noch?

Die Mädels hatten ihn inzwischen umringt.

Hatte was von einem Schwarm Haie und einem blutenden Opfer. Im Moment wirkte Magnus Stian aber noch recht gelassen. „Sorry Mädels, ich bin hier im Urlaub. Konzentriert euch auf die Skispringer.“

„Aber Magnuuuus!“, erschall es aus mindestens drei Kehlen.

„Stiiiaan“, setzte er automatisch hinzu.

„Ein Foto?“ Mein Gott, die bettelten ja regelrecht.

Würde ich nie tun…

Nun ja…

Nicht für ein Foto von ihm.

Bei Bjørn Einar oder Kyle Schmid eventuell schon.

Aber Magnus Stian blieb hart. „Nee, heute nicht. Und das beinhaltet auch Handyvideos!“ Miriam ließ vor Schreck fast ihr iphone fallen.

Mah, langsam bekam ich den Verdacht, dass der unter seinem blonden Schopf noch ein drittes Auge verbarg.

Die beiden Grazien, die ich von myspace her noch kannte, scherten sich im Gegensatz zum Rest nicht sonderlich um Magnus Stian.

Eher musterten die mich finster.

Erst jetzt fiel mir auf, dass die beide sogar eine Akkreditierung um den Hals baumeln hatten.

Wenn die nicht hier waren, um sich einen Platz zu sichern, warum bewegten die ihren verlängerten Rücken dann schon überhaupt zu dieser frühen Stunde hierher?
Wieder ein böser Blick.

Hatte ich denen was getan?

Hey, ich hatte die eine nicht gezwungen, ein Foto mit einer Papiertüte überm Kopf als Avatar zu nehmen. Wenn die ein Bewerbungsfoto für Guantanamo Bay wollte, war das doch nicht mein Bier.

Noch ein schräger Blick folgte, dann kamen die beiden auf mich zu. Die Begrüßung bestand aus einem kurzen Nicken.

„Hallo“, ich bin ja höflich und lächelte sie an.

„Du bist doch die von dieser Bjørn Einer-Fansite?“, kam es von der der einen. Sie betonte besonders das Wort Fansite. Jetzt war’s an mir zu nicken.

„Nun, ich habe mir überlegt, dass ich dir eventuell Fotos zur Verfügung stellen könnte.“

Wie bitte?

Hatte ich danach gefragt?

Sollte ich mich jetzt gebauchpinselt fühlen?

Konnte sie nur mit offenem Mund anstarren.

„Ich meine, deine Galerie braucht noch vernünftige Fotos. Und mit meiner Kamera…“ Sie deutete auf ihre Canon-Kamera, die eindeutig besser als meine alte Kodak war.  „Allerdings erwarte ich, dass mein Copyright deutlich zu sehen ist“, fuhr sie fort.

„Äh ja“, brachte ich schließlich hervor. „Danke für dein Angebot, aber ich habe genug eigene Fotos. Auch von meinem Aufenthalt in Norwegen und…“

Bei meinen Worten wanderten ihre ausradierten Augenbrauen drohend zusammen. Ihr Anhang tat es ihr gleich.

„Du warst in Norwegen?“

„Äh ja, vor einiger Zeit und…“

„Mensch Dana!“ Plötzlich war Magnus Stian neben mir. „Ich habe keine Lust hier noch ewig rumzustehen!“ Der quengelte mehr als jedes Kleinkind.

„Mah, ich unterhalte mich! Geh’ ein paar Bäume umhauen oder so!“ Meine Worte beeindruckten ihn mal wieder gar nicht.

Sein Blick fiel erst auf die beiden Grazien, dann auf ihre Akkreditierungen.

„Jetzt werden die Dinger schon verschenkt“, kam es gedehnt von ihm. Die beiden schnappten nach Luft. Doch Magnus Stian hakte mich einfach unter und zog mich mit sich.

 

Zehn Minuten später…


Wurde ich von Magnus Stian den Waldweg zur Schanze hochgejagt. Trotzdem zierte mein Gesicht ein breites Lächeln.

Er wirkte allerdings vollkommen unbeeindruckt. „Was zum Geier fasziniert dich daran so?“

„Du hast echt zu denen gesagt, dass sie die Akkreditierung nicht verdienen.“

„Und?“ Er zog fragend eine Augenbraue hoch.

„Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal zu dir sage, aber das war cool!“

Er grinst verschlagen. „Ich bin immer cool.“

„Davon träumst du nur!“

„Nein, ich weiß es.“

Wieder legte der diesen Schalter um, den einige Norweger vor ihrer Geburt standardtechnisch mit eingebaut bekommen. Auf alle Fälle strahlte der Sinnlichkeit aus.

Ein anderes Wort fällt mir dafür nicht ein.

So wie er guckte…

Sich mit der Hand durchs Haar fuhr…

Ich musste schlucken.

Irgendwie war mein Hals auf einmal ganz trocken.

Magnus Stian grinste auf einmal verschmitzt und legte den Schalter wieder in die andere Richtung um. „Komm, lass uns weiter nach oben gehen. Ich sollte dich eigentlich mit ins Springerlager bekommen. Wir müssen die netten Herrn Ordner oben nur ordentlich bearbeiten. Oder“, er musterte mich, „ich ernenne dich einfach zu meiner Assistentin. Bei Sommerspringen sehen die das angeblich nicht so eng.“

Ich im Springerlager?

Oh…

 

Eine halbe Stunde später…


Hockte ich auf einer Bank vor der Absperrung zum Springerlager und war nicht drinnen. Magnus Stian diskutierte noch mit dem Ordner (es war nur einer).

„Sie kennt das Team und..“, hörte ich nur. Aber Herr Ordner war immer noch nicht einsichtig.

Magnus Stian fluchte, während der Ordner finster drein schaute.

„Ist doch egal“, versuchte ich die Situation zu entschärfen.

„Nein, ist es nicht!“, kam es von beiden gleichzeitig.

Oh…

Ich setzte mich wieder auf meine Bank, während die beiden fröhlich weiter diskutierten.

 

Ein Viertelstunde später…

 

Diskutierten sie immer noch…

Magnus Stian konnte wirklich hartnäckig sein, wenn er wollte…

 

Drei Minuten später…

 

Fuhr ein Bus mitsamt norwegischen Skispringern vor. Die waren aber früh da. Momentan tummelten sich hier eigentlich nur Nordische Kombinierer. Magnus Stian hatte ja auch eigentlich erst in einer guten Stunde mit ihnen gerechnet. Die Tür vom Bus ging auf und das Gürkchen hüpfte heraus.

„Mahlzeit, Miss Dexter!“

„Ich habe das Ei nicht ermordet!“, fauchte ich.

„Doch hast du! Was macht denn der Lunde da vorne?“, die wilde Hilde hatte sich auch aus dem Bus bewegt.

„Äh…“

„Ah, der wollte dich ins Springerlager schmuggeln?“, erschall es links von mir.

Bjørn Einar!

Wah, wo kam der denn auf einmal her?

„Und die wollen dich nicht reinlassen?“, folgerte Sigurd als das allbekannte Superhirn.

Merkte nur, wie ich rot um die Nase wurde.

„Na, das ist doch kein Problem!“

Uh, sein Tonfall gefiel mir gar nicht…

Der war so maliziös…

Und prompt fand ich mich auch unter zwei riesigen Reisetaschen begraben wieder.

„Unsere Hütte ist die letzte auf der linken Seite, Dana!“

 

14.10.09 22:06


An alle Leser!

Danke fürs Reinschauen und Lesen.

An alle Reviewer!!! Ihr seid die Allerbesten!

Und dieses Kapitel ist für euch.

 

 

Musik zum Update: Rod Stewart – Maggie May  (http://www.youtube.com/watch?v=F01aLeErvoU)

 

 

 

Ein lauschiger und durch und durch idyllischer Morgen in einem kleinen Örtchen namens HinterderZivilisation, der leider zu einer etwas späteren Stunde von grausamen Mordgedanken seiner pittoresken Schönheit ein wenig beraubt wird…

 

Die Melodie von Rod Stewarts Maggie May kam mir spontan in den Sinn, als ich an meinem Kaffee nippte und beobachtete, wie der Ort langsam zum Leben erwachte. Kennt ihr das, wenn der Tag noch neu und frisch riecht? Als ob alles mit klaren und leuchtenden Farben gemalt wurde?

Genauso sah es an diesem Morgen in Hinterzarten aus.

Glücklich streckte ich meine Beine aus und brachte meinen – leider nicht gerade kleinen – verlängerten Rücken in eine angenehme Position. Paripu hatte es schon nicht mehr ausgehalten und war bereits zum Kurhaus. Allerdings nicht ohne fünf Croissants als Wegstärkung mitzunehmen. Ich hatte keinen Bedarf Magnus Stian oder das Gürkchen (alias Sigurd P. aus L. in N.) schon  so früh am Morgen zu sehen. Die schönste Begegnung des Tages hatte ich sowieso bereits gehabt. Ein Lächeln breitete sich in meinem Gesicht beim Gedanken an Bjørn Einar aus. Er hatte ja ein so liebes Lächeln und sein blondes Haar, wenn es im Wind wehte. Dieses bezaubernde Näschen und…

„Pass’ auf, dass du nicht gleich sabberst.“ Mit diesen Worten wurde mir mein Kaffeebecher gemopst und Magnus Stian ließ sich neben mir auf die Parkbank sinken.

„Hey!“

„Selbst hey!“ Er gönnte sich einen besonders großen Schluck.

„Dieses Kaff geht mir auf den Geist“, beschwerte er sich. Sein  - leider - doch recht attraktives Gesicht zierte ein ziemlich finsterer Ausdruck.

„Gehst du mir auch. Trotzdem schaue ich nicht wie sieben Tage Regenwetter drein.“

„Du bist ja auch noch nicht um eine derart unchristliche Zeit schamlos angegraben worden!“

Indigniert zog ich eine Augenbrauche hoch und musterte ihn.

Erstaunlicherweise wurde er unter meinem Blick doch mal leicht rosa um die Nase.

„Du teilst deinen Kaffee, doch nur zu gern mit mir“, rechtfertigte er sich.

Klar…

„Aber diese Mädchen hier. Mah, die lauern einem vorm Kurhaus auf, quetschen einen aus und kichern.“

„Gibt’s die beim Biathlon nicht?“ Neugierig war ich da schon.

„Doch…“

„Na also, dann kennst du das doch.“

„Ja, aber diese Mädchen hier… Die… Die…“

„Sind auch nicht anders als deine Perückenschafe in Norwegen. Sie quietschen, kichern und sind blondiert. So wie du halt, nur in weiblich. Und?“

Magnus Stian rutschte auf der Bank hin und her. „Jaaaaaaa“, brachte er schließlich hervor, „aber die fragen mich wenigstens nicht, ob ich ihn ein Autogramm von Tom für sie hole.“

Ich brach in schallendes Gelächter aus. Daher wehte also der Wind. Monsieur fühlte sich in seiner Pracht nicht genügend gewürdigt

Um ihn aufzumuntern teilte ich großzügig meinen Muffin mit ihm. „Du bist also wegen der Fans aus dem Kurhaus geflüchtet“, hakte ich dann doch mal noch. „Jaaa“, kam es kauend von ihm. „Und ich hatte keine Lust, da nur dekorativ rumzustehen.“

„Besonders, wo du als Dekoration nicht genügend gewürdigt wurdest“, kicherte ich.

„Daaaana!“ Er schaute beleidigt drein.

„Magnusleinchen“, ich klopfte im großzügig auf die Schulter, „du bist nun einmal bei einem Sommerskispringen. Was hast du erwartet?“

„Lauter Danas“, kam es wie aus der Pistole geschossen.

„Hä?“ Jetzt war ich an der Reihe, dumm aus der Wäsche zu gucken.

„Ich habe lauter verschüchterte Mädchen erwartet, die mit funkelnden Augen ihre Idole nieder knipsen.“ Prompt warf ich ihm die zusammenknüllte Brötchentüte gegen den Kopf.

„Hey, hey. Nicht gleich handgreiflich werden.“

„Du verdienst es nicht anders!“

„Echt nicht? So was Dummes.“ Er starrte kurz in den Himmel und tat, als würde er nachdenken. Ein Umstand, der gar nicht sein konnte. Schließlich trug der ein waschechtes Vakuum zwischen seinen Ohren spazieren. Ich streckte mich ausgiebig, während er mit Denken beschäftigt war. Endlich meinte er: „Und ich wollte dich gerade eigentlich fragen, ob du mit zum Kurhaus willst. Wir hätten die anderen da einsammeln gehen können und dann hättest du mit frühstücken kommen können.“

„Ihhh… Ähhhh… Ohhh.. Ehh?“  Ich bekam kein vernünftiges Wort heraus.

„Wunderbar, Dana“, er hakte mich unter. „Du kannst sogar schon die Vokale und wenn wir ein bisschen üben, dann klappt das demnächst auch noch mit der Eloquenz.“

Ich ließ mich von ihm mitziehen.

Als wir am Kurhaus ankamen, packten gerade das Gürkchen und Jacobs ihre Anzüge in den Materialbus.

„Morgen, Dana“, wurde ich fröhlich begrüßt. „Tom müsste auch gleich fertig sein.“

Ah, der musste vermutlich noch ein paar Autogramme schreiben.

Ob Paripu noch irgendwo hier steckte?

Oh, was mich daran erinnerte…

Vielleicht sollte ich doch mal Miriam eine SMS schicken, dass ich erst später zurück kam…

Obwohl, meine Abwesenheit fiel ihr bestimmt nicht auf.

Die diskutierte lieber darüber, wie die Last der ganzen Welt auf Bjørn Einars schmalen Schultern lastete.

Bla bla…

An der war wirklich ein Fernsehrtherapeut verloren gegangen.

Ich ging da lieber gleich mit dem Objekt unser beider Begierde frühstücken. Ich durfte auch prompt neben Sigurd auf der Rückbank Platz nehmen und brauste dann zusammen mit ihm, Jacobs und Tom zu deren Hotel. Magnus Stian kam mit dem Materialbus hinterher. Der war ja dieses Wochenende nur deren Lakai. Konnte mir daher auch nicht verkneifen, ihm durch die Rückscheibe die Zunge rauszuschrecken. Was er mit einem Hupen quittierte.

Tztz, keine Beherrschung der gute Mann.

 

 

Zehn Minuten später…

 

Idyllisch im Grünen gelegen…

So wohnten die lieben Herren aus dem hohen Norden. Nur nicht ganz so nobel, wie ich gedacht hatte. War zuvor der Illusion verfallen, dass die nie in Hotels übernachteten, die nicht zumindest ein Whirlpool in jedem Zimmer aufwiesen. Aber so konnte man sich irren.

Plötzlich blieb ich ruckartig stehen.

Und sah an mir herab.

Shit!
Ich war für so was gar nicht richtig angezogen.

Ich meine…

Vorhin hatte es Bjørn Einar eilig gehabt…

Aber jetzt…

Ich meine…

Was war, wenn ich in meinem Shirt dick aussah?

Und überhaupt…

Meine Haare, die standen doch total ab.

Augenbrauen hatte ich auch nicht gezupft.

Und die Beine…

Oh Gott, die hatte ich zum letzten Mal vorgestern rasiert.

Nein, oh nein…

Wenn da jetzt Haare spießten?

Das fand Bjørn Einar bestimmt abstoßend.

Ich konnte da nicht mit rein!

Nicht ohne vorige Begegnung mit einem Rasierer und einer Pinzette.

Neben mir klatschte Tom laut in die Hände. „Endlich Frühstück! Mah, Dana, steh’ hier nicht so rum, wie bestellt und nicht abgeholt. Du guckst, als hättest du einen Walfisch verschluckte.“ Kumpelhaft boxte er mir in die Seite.

Und da fiel’s mir wie Schuppen von den Augen.

Da hatte ich endlich Kontakt mit Skispringern und da sahen die mich nicht als weibliches Wesen.

Als geheiligte Weiblichkeit auf zwei Beinen…

Nö, ich war ein Kumpel.

Spitze…

Irgendwo hoch oben im himmlischen Zirkus lachte sich wohl gerade ein kosmisches Wesen scheckig über diesen gelungenen Streich.

 

Fünfzehn Minuten später…

 

Klopfte ich mit meinem Eierlöffel auf meinem Frühstücksei herum. Neben mir biss die wilde Hilde gerade extrem genussvoll UND lautstark in ihr Brötchen.

„Kannst du noch lauter schmatzen, Tom? Ich glaube, in Australien haben sie noch nicht mitbekommen, dass dir dein Brötchen schmeckt.“

„Warum so giftig“, kam es mit vollem Mund zurück.

Tjaaa, warum nur?

Weil diese doofe Hotelangestellte da vorne, wie eine läufige Hündin um Bjørn Einar und Magnus Stian rum lief. Und das Fieseste an der ganzen Sache war auch noch: Die Frau schaute bildhübsch aus und war gertenschlank.

Grrrr!

Ich verpasste meinem Ei einen besonders saftigen Schlag.

„Also, der Patient ist tot!“ Sigurd entwand mir meinen Eierlöffel.

„Hey, ich wollte das Ei noch essen!“, beschwerte ich mich.

„Echt? Ich dachte, dass du die Tischdecke nur mit Eigelb sprenkeln magst.“

Dieser doofe Sack…

Mit diesen strahlend blauen Guckern brauchte der mich auch gar nicht so zu durchbohren.

Mah, konnte der nicht mal wo anders hingucken. Der starrte mir ja bis aufs Großhirn.

Also konzentrierte ich mich auf das Brötchen, das sich auf meinem Teller befand, und rammte mein Messer in seine flockige Weichheit.

Ich konnte diese doofe Schnepfe über einen dummen Scherz von Magnus Stian kichern hören.

Bjørn Einar gab es jetzt auch noch seinen Senf dazu.

„Daaanaa.“ Jacobs starrte mein  zugegebener Maßen  etwas zerteiltes Brötchen an. „An dir ist ein Metzger verloren gegangen.“

„Mike Meyers hätte das nicht besser gekonnt“, Tom nickte. „Und das nur weil, Stianus muss dem Mädel schäkert.“

„Stianus?“ Ich bekam große Augen.

„So heißt der Olle nun mal.“ Tom sah unschuldig drein.

„Stianus… Äh, okay. Aber sein Schäkern stört mich aber überhaupt nicht!“

„Ach, deswegen hast du gerade Dexter gespielt und sowohl ein Ei als auch ein unschuldiges Brötchen brutal geschlachtet?“ Das Gürkchen würde ich als nächstes Schlachten, wenn es so weiter machte.

Würde mir die Menschheit auch nur danken.

 

 

 

12.9.09 22:17


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